Gesellschaftskritik für Anfänger

Sonntag, 10. Dezember 2006

Einsichten [#10]

"Gin Tonic geht immer" (Stieler/Röhring 2006)

Anmerkung: Auf Bitten der Co-Autorin aktualisiert

Jahresrückblick [#1]

Liegt es an den Prinzen oder an mir wenn ich von den 5 "Hits des Jahres 2006" in der A-cappella-Version 3 nicht erkenne?

Popular / culture / no longer / applies to me

Sonntag, 3. Dezember 2006

Breaking News

Frisch vom n-tv ("Der Nachrichtensender")-Crawl :
- Breaking News - Pinochet war in den vergangenen Jahren immer wieder krank. - Breaking News -
Deutschland, deine Spartenkanäle...

[Sehen Sie beim nächsten Mal: DSF - "Das Sportfernsehen"]

Montag, 20. November 2006

Die Hilflosigkeit des Prekariats

Besonders erfolgreich scheinen mir Fernsehsendungen zu sein, die Wissen vermitteln, das eigentlich als selbstverständliches Ergebnis guter "Erziehung" im althergebrachten Sinne angesehen wird. Wissen, von dem man das Gefühl hat, man müsste es haben, nach dem man aber - weil es als bekannt vorausgesetzt wird - öffentlich nicht zu fragen wagt.
Darum gibt es so viele Kochshows, darum funktioniert die Super-Nanny, darum versucht sich ProSieben an einer Personal-Help-Show mit D!, darum macht RTL II Ernährungsberatung.
Fernsehen für ein Volk, dass sich nicht mehr zu helfen weiß.

Mittwoch, 15. November 2006

Verwirrend

Wie kann denn systemische Beratung eine Beobachtung zweiter Ordnung anstellen, wenn sie doch am Ende auch von der uncertainty absorption abhängig ist?
Und wie kann Beratung eigentlich an Nachhaltigkeit interessiert sein, wenn 66% des Umsatzes durch Folgeaufträge generiert werden?
Einfach zu viel um diese Uhrzeit.

Und ich bin gar nicht so wie ich bin

Montag, 16. Oktober 2006

...

In seinem 1951 erschienen Text „The science of muddling through“ beschreibt der amerikanische Ökonom Charles E. Lindblom den Prozess der Policy-Formulierung anhand einer inkrementalistischen Entscheidungstheorie.
Lindblom stellt dabei zwei verschiedene Entscheidungsmodelle gegenüber: Die rational-umfassende Methode („rational comprehensive“ oder „root method“) und die Methode aufeinander folgender Vergleiche („successive limited comparisons“ oder „branch method“). Anhand eines komplexen Policy-Problems wie der Geldpolitik zeigt Lindblom, dass es Politikern und Verwaltungsbeamten unmöglich ist, das Thema in seiner Komplexität vollumfänglich zu begreifen und alle für die Bewertung verschiedener Policies nötigen und relevanten Informationen zu sammeln und auszuwerten. Diese Einsicht – so trivial sie heute erscheinen mag – basiert auf der Annahme der begrenzten Rationalität, die ihre wissenschaftliche Fundierung vier Jahre vor dem Erscheinen von Lindbloms Text durch Herbert A. Simon erfuhr. Lindblom setzt diese Annahme in seinem Text voraus, ohne sie weiter zu begründen oder Referenzen auf Simons Arbeit zu geben. Sicherlich kann ihm dies vorgeworfen werden, aufgrund der allgemeinen Akzeptanz der Theorie zum heutigen Zeitpunkt kann diese Schwäche jedoch keinen Ansatzpunkt für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Lindbloms Text bilden.
Lindblom vergleicht die zwei idealtypischen Entscheidungsmethoden anhand von fünf Merkmalen. Die Root-Methode ist demnach charakterisiert durch eine klare Trennung von Mitteln und Zielen, eine umfassende Analyse aller relevanten Einflussgrößen und einer starken Theoriefundierung. Die Qualität einer Policy-Maßnahme lässt sich daran festmachen, wie effektiv und effizient die eingesetzten Mittel im Hinblick auf die Erreichung der vorab definierten Ziele sind.
Demgegenüber zeichnet sich die Branch-Methode durch eine untrennbare Verknüpfung von Mitteln und Zielen, eine deutlich beschränkte Analyse unter Vernachlässigung von möglichen Outcomes, möglichen anderen Policies und betroffener Werte sowie durch den weitgehenden Verzicht auf eine theoretische Fundierung von Entscheidungen aus. Da sich Mittel und Ziele nicht trennen lassen, kann die Bewertung einer Policy naturgemäß nicht anhand einer Effizienzanalyse der eingesetzten Mittel erfolgen. Stattdessen hänge die Frage, ob eine Politik gut oder schlecht sei, davon ab, ob sie die Zustimmung der Mehrheit finden. Hier bewegt sich Lindblom eng an der klassischen pluralistischen Demokratietheorie, nach der sich Gemeinwohl ausschließlich a posteriori definieren lässt.
Unmittelbar einleuchtend ist die Vermengung von Zielen und Mitteln in der Policy-Formulierung. In der ökonomisch geprägten Root-Methode werden diese klar getrennt und unabhängig voneinander bewertet. Mag dies in der ökonomischen Theorie oder der betrieblichen Praxis noch möglich sein, so muss diese Trennung angesichts der zahllosen und unübersichtlichen gesellschaftlichen Vernetzungen, mit denen die Politiker umzugehen haben, scheitern. Allerdings muss an dieser Stelle die Frage erlaubt sein, ob sich aus dieser Tatsache schließen lässt, dass es keine allgemein akzeptierten „Meta-Ziele“ geben kann, deren Erreichung in jedem Fall wünschenswert ist. Ich werde später darauf zurückkommen.
Problematischer wird der Test einer „guten“ Policy. Nach Lindblom lässt sich aus der Unmöglichkeit der Ziel-Mittel-Trennung die Unmöglichkeit einer objektiven Bewertung von Policy-Maßnahmen ableiten. Sicherlich ist es in einer pluralistischen Demokratie so, dass nur die Politik akzeptabel und legitim ist, die im politischen Prozess die Mehrheit der beteiligten Interessengruppen hinter sich versammeln kann. Auch wenn man die Probleme dieses Modells wie z.B. die strukturelle Unterrepräsentierung bestimmter Interessengruppen beachtet, ist es bis zum heutigen Tage die beste bekannte Art der Politikformulierung. Trotzdem besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen der Zustimmung zu einer Politik und ihrer Qualität. Als Beispiel sei hier die maß- und verantwortungslose Sozialpolitik der Nachkriegs-BRD genannt. Zwar funktionierte das System Wählerstimmen gegen höhere Renten und andere Sozialleistungen jahrzehntelang hervorragend und wurde von einer breiten Koalition quer durch alle Bevölkerungsschichten getragen, trotzdem wird aus heutiger Sicht niemand – außer vielleicht Norbert Blüm – ernsthaft behaupten, dass diese Politik richtig oder dem Gemeinwohl förderlich war. Sicherlich ist diese Entwicklung nicht alleine inkrementalistischer Policy-Formulierung zuzuschreiben, allerdings zeigt sie eine der großen Schwächen der Methode der aufeinander folgenden Vergleiche: Ist einmal ein grundfalscher politischer Weg eingeschlagen (wie die überproportionale und nicht vom wirtschaftlichen Wachstum getragene Ausweitung von Sozialleistungen) fällt die Abkehr von diesem umso schwerer, wenn man nur inkrementalistische Veränderungen vornimmt. Lindblom blendet dieses Problem völlig aus und zieht auf den Standpunkt zurück, Werte und Ziele hätten ohnehin keine ultimative Gültigkeit. Dieser konstruktivistische Standpunkt greift zu kurz und kann im politischen Prozess, wie oben geschildert, gefährlich werden. Der Wähler muss sich nach vier Jahren die Frage stellen dürfen: „Geht es dem Land besser oder schlechter als vorher“ und nicht „Hat die Politik der Regierung die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung gefunden“.
Im Weiteren führt Lindblom die Vorteile einer nicht-umfassenden Analyse politischer Probleme aus. Wiederum erfolgt hier der Rückgriff auf das Konzept der bounded rationality, wenn Lindblom die Unmöglichkeit einer vollständigen Analyse aller Outcomes einer Politikmaßnahme am Beispiel eines Angestellten im Landwirtschaftsministerium, der bei der Planung eines Programms zur Bodenbeschaffenheit die Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Staaten nicht berücksichtigen kann. Dieses Phänomen ist natürlich unbestritten und lässt sich einfach aus der Annahme der begrenzten Rationalität ableiten. Die Frage ist nun, welche Implikationen für den Politikprozess sich daraus ergeben. Nach Lindblom wird durch die Branch-Methode sichergestellt, dass eine systematische Vereinfachung des Problems stattfindet, da nur Policy-Alternativen geprüft werden, die auf der bisher implementierten Politik aufbauen und somit nur die Unterschiede zur aktuellen Politik untersucht werden müssen. Policies, die sich fundamental vom gewohnten Unterscheiden, seien ohnehin politisch nicht umsetzbar und daher irrelevant. Die Gefahren dieses Ansatzes habe ich bereits hinreichend deutlich gemacht. Eine weitere Reduktion der Komplexität wird laut Lindblom durch die Vernachlässigung von möglichen Outcomes und damit verbundenen Werten hergestellt. Diese Vernachlässigung begründet Lindblom schlüssig mit der pluralistischen Demokratietheorie, nach der „wichtige“ Werte ihre Verteidiger im politischen Prozess haben und somit nicht vernachlässigt werden können. Welche Werte wichtig sind stellt sich natürlich erst während des Prozesses selber heraus. Interessant ist Lindbloms Argumentation zur möglichen Vernachlässigung langfristiger Werte durch einen inkrementalistischen Politikstil.
Hierzu führt er aus:
„Nor does the branch method necessarily neglect long-run considerations and objectives. It is clear that important values must be omitted in considering policy, and sometimes the only way long-run objectives can be given adequate attention is through the neglect of short-run considerations. But the values omitted can be either long-run or short-run.” (S. 86)
Diese Argumentation liefert kein Indiz dafür, warum langfristige Werte den Vorzug vor kurzfristigen erhalten sollten. Die politische Wirklichkeit hat oft genug gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Dieses Problem wird von Lindblom übergangen, obwohl es eins der zentralen Probleme inkrementalistischer Politik darstellt.
Ein weiteres Merkmal, das Branch- und Root-Methode voneinander unterscheidet, sind die aufeinander folgenden Vergleiche, die bei Anwendung der Branch-Methode vorgenommen werden. Dabei werden die Outcomes einer Policy-Maßnahme in die Formulierung der weiteren Maßnahmen einbezogen. Politik hat somit kein Ende, sondern wird ständig neu gedacht. Hier greift Lindblom auf das Konzept des policy cycle zurück, dass erstmalig von Harold D. Laswell 1956 formuliert wurde. Dieses Konzept ist unbestritten und kann ständig in der politischen Praxis beobachtet werden. Allerdings stellt es kein entscheidendes Merkmal des Inkrementalismus dar. Auch wenn politische Entscheidungen (soweit möglich) nach der Root-Methode gefällt werden, bedeutet dies nicht, dass damit der politische Prozess beendet ist. Auch revolutionäre Veränderungen unterliegen dem Politikzyklus und benötigen eine ex-post Evaluation und Veränderung.
Interessant an dieser Stelle ist, dass Lindblom hier einen neuen Idealtypen von Politiker („wise policy-maker“) kreiert. Dieser wird als lernender Politiker beschrieben, der von vornherein um die Unzulänglichkeit seiner Politik weiß und von daher auf inkrementalistische Veränderungen ebendieser setzt.
Das letzte Merkmal des Inkrementalismus ist nach Lindblom der weitgehende Verzicht auf die wissenschaftlich-theoretische Fundierung der Entscheidung. Er begründet dies damit, dass die wissenschaftliche Theorie zum einen „gierig nach Fakten“ und zum anderen zu unpräzise sei. Diese Begründung scheint merkwürdig, da der Vorteil der theoretischen Fundierung einer Entscheidung doch gerade im Rückgriff auf die von den „gierigen“ Wissenschaftlern gesammelten Fakten und ihr Fachwissen zu finden ist. Sicherlich ist es richtig, dass viele Theorien nicht präzise genug für die Ableitung einer konkreten Handlungsanweisung für Politiker, allerdings stellt sich hier die Frage, ob die Konsequenz daraus der Verzicht auf wissenschaftliche Expertise oder der Versuch einer Verbesserung und Weiterentwicklung dieser Erkenntnisse sein sollte. Die Konzentration auf inkrementalistische Veränderung des bestehenden und die Ausblendung externer Erkenntnisse verringert die Möglichkeit der fundamentalen Veränderung einer falschen Politik noch weiter.
Wie ist Lindbloms Text abschließend zu bewerten? Zunächst einmal bleibt die Erkenntnis, dass es aufgrund der begrenzten Rationalität unmöglich ist, politische Entscheidungen nach der Root-Methode zu fällen, da sie die Informations-verarbeitungskompetenzen jedes Politikers übersteigen. Diese Einsicht ist wichtig für das Verständnis des politischen Prozesses und muss Eingang in jede Analyse politischer Entscheidungsprozesse finden.
Streiten kann man jedoch über die Schlüsse, die man aus dieser Einsicht ziehen sollte. Die inkrementalistische Gestaltung von Politik birgt zahlreiche Gefahren, die Lindblom in seinem Text weitgehend ausblendet oder mit der Unmöglichkeit voll-rationalen Handelns abtut.
Das erste große Problem wurde bereits hinreichend dargelegt: Lehnt man revolutionäre Veränderungen von vornherein als nicht durchführbar ab, wird es schwierig, grundsätzlich falsche politische Entscheidungen zu korrigieren. Diese Gefahr ist systemimmanent und darf nicht aus dem Blick verloren gehen. Es muss trotz der zahlreichen politischen Verflechtungen möglich und erwünscht sein, Strukturen grundsätzlich zu überprüfen. Da dies in den meisten Fällen jedoch die Kapazitäten von Ministerien und anderen politischen Akteuren übersteigt, muss das politisch-administrative System dazu übergehen, externe Kompetenzen zu erwerben, sei es über die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft oder über den Weg der Politikberatung.
Zudem darf die Akzeptanz der begrenzten Rationalität nicht dazu führen, dass rationales Handeln von vornherein als unmöglich abgelehnt wird. Es besteht die Gefahr, dass sich Politiker auf den Standpunkt zurückziehen, eine bessere Politik sei aufgrund der begrenzten Rationalität nicht möglich. Diese Gefahr wird noch verstärkt durch die Annahme, dass es keine klar definierbaren politischen Ziele gebe. Diese Annahme halte ich für höchst problematisch und auch Lindblom nennt in seinem Text Ziele, über die in der politischen Landschaft Konsens besteht (z. B. Vollbeschäftigung, S. 84). Natürlich können sich Ziele im Zeitablauf oder durch den politischen Prozess verändern, allerdings gibt es Ziele, die von übergeordneter Bedeutung sind und an denen Politik objektiv gemessen werden kann. Am leichtesten sind diese natürlich im wirtschaftlichen Bereich zu identifizieren und zu quantifizieren, hier könnten die Reduzierung der Arbeitslosigkeit, das Wirtschaftswachstum oder die Entwicklung des Nationaleinkommens genannt werden. Weitere Ansatzpunkte für Zieldefinitionen könnte die Einführung der Doppik in das staatliche Rechnungswesen bieten. Ein kompletter Überblick über die Staatsfinanzen würde es möglich machen, den Erfolg der Wirtschaftspolitik an konkreten Zahlen (z. B. Eigenkapital des Staates, Cashflow) zu messen. Aber auch in anderen Politikbereichen sind konkrete Zielformulierungen keinesfalls unmöglich, so besteht beispielsweise im Strafvollzug ein gesamtgesellschaftliches Interesse an der Prävention von weiteren Straftaten, der Erfolg kann an der Rückfallquote verurteilter Straftäter abgelesen werden.
Auch wenn Lindblom versucht, eine eindeutige Dichotomie zwischen zwei idealtypischen Entscheidungsmodellen herzustellen, darf diese nicht dazu führen, dass mit der Anwendung der Branch-Methode der Versuch, politische Entscheidungen so rational und mit so vielen Informationen wie möglich zu fällen. Selbstverständlich sind voll-rationale Entscheidungen utopisch, trotzdem muss die Politik zum Ziel haben, so viele Informationen wie möglich in Entscheidungen
einzubeziehen und die möglichen Outcomes so gut wie möglich abzuschätzen. An dieser Stelle muss auch auf die technische Entwicklung seit 1959 – vor allem im Bereich der Informationstechnologie – hingewiesen werden, die die Informations-verarbeitungskapazität der Verwaltung drastisch erhöht hat. Zudem müssen Politikansätze erwähnt werden, die erfolgreich zumindest auf eine teilweise Rationalisierung und Quantifizierbarkeit hin arbeiten. Besonders hervorzuheben ist das in Holland entwickelte Standard-Kosten-Modell, das die Gesetzesfolgenab-schätzung deutlich erleichtert und einen Teilbereich der Outcomes (die Informations-kosten für Unternehmen) quantifizier- und damit steuerbar macht. Solche Initiativen gehen in die richtige Richtung und dürfen nicht durch inkrementalistische Denkverbote verhindert werden.
Der Strafvollzug illustriert auch sehr gut das zweite große Problem des Inkrementalismus (das allerdings ein Grundproblem pluralistischer Demokratien ist), dass der französische Diplomat und Schriftsteller Paul Claudel einmal wie folgt umschrieben hat: „Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind“. Der von Lindblom vorgeschlagene Test für „gute“ Politik funktioniert nicht, oft genug ist die Mehrheit von gesamtgesellschaftlich falschen politischen Maßnahmen überzeugt. So wird im Strafvollzug beispielsweise seit Jahren die irrationale Lust am Strafen, die in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden ist, höher bewertet als alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Rückfallquoten von langzeit-inhaftierten Straftätern. Dies ist jedoch wie gesagt ein Grundproblem der Demokratie und deswegen auch nicht Thema dieses Essays. Abhilfe könnte möglicherweise durch die Zusammenlegung von Wahlterminen geschaffen werden, womit der Regierung größere „Reformfenster“ zur Verfügung gestellt würden. Wichtig ist in jedem Fall zu beachten, dass schlechte Politik nicht dadurch besser wird, dass sie die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung findet.

Essay

Der Vorteil an so einer kleinen Uni ist natürlich, dass Anfragen an Dozenten innerhalb weniger Stunden beantwortet werden. Deswegen kann ich jetzt auch mein Essay online stellen. Es ging eigentlich um die Auseinandersetzung mit einem Text aus den 50er Jahren, aber die darin getroffenen Aussagen sind bis heute gültig und gerade im Hinblick auf das, was ich unten über die Vision geschrieben habe, interessant.

Da ich immer noch nicht weiß, wie diese "read more"-Geschiche funktioniert, muss ich das Essay wieder verlinken. Leider ist es auch noch beschissen formatiert, aber dafür ganz annehmbar geschrieben.

Link

Unterschicht

Es gibt keine Unterschicht. Es gibt nur Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen. Sagt Volker Kauder. Also wird das wohl so sein.
Ganz ehrlich: Es gibt eine Unterschicht in Deutschland, sie wächst und ihre Situation verschlimmert sich. Ist davon irgendjemand überrascht? Der Abstand zwischen arm und reich nimmt seit Jahren stetig zu während gleichzeitig die politische Abwägung zwischen Leistungs- und Verteilungsgerechtigkeit unter den "Zwängen" der "Globalisierung" immer deutlicher zugunsten der Leistungsgerechtigkeit ausfällt.
In den USA und England sind wir längst weiter und man kann ja nicht ernstahft erwarten, dass die Gesellschaft bei uns grundlegend anders aussähe, wenn nicht alle Probleme der Unterschicht jahrzehntelang mit einem grotesk überfinanzierten Wohlfahrtsstaat überdeckt worden wären. Das irgendwann der Punkt kommen würde an dem dieses System zusammenbricht war ja allen klar, die Frage ist nur, wie man sich an diesem Punkt verhält. Sicher ist, dass das Geld für ein "weiter so" fehlt, Angst macht mir die Reaktion darauf. Man müsse den Sozialstaat "zukunftsfähig" machen, Deutschland "international wettbewerbsfähig" und sowieso und überhaupt, die Globalisierung. Das alles sind natürlich nur chiffren für den Rückbau des Wohlfahrtsstaates. Dieser ist auch bitter nötig, allerdings muss man sich dann auch Gedanken über die gesellschaftlichen Konsequenzen eines solchen Rückbaus machen. Es mag schwülstig klingen, aber es geht darum, eine Vision zu entwickeln, eine Gesellschaft nach dem Sozialstaat zu denken.
Dass das noch kein Politiker gewagt hat ist das eigentliche Problem in diesem Land.
Wie immer kann man den Eintrag mit einem Zitat von Peterlicht beschließen:

Hallo Sozialkönig / Sozialkönig / Sozialkönig,
dies ist der Tag / dies ist der Tag,
an dem es ans Sterben geht.

Die Zeiten, die Zeiten / die Zeiten, die Zeiten / die Zeiten, die Zeiten,
die Zeiten ändern sich.

[...]

Hallo Nachkriegszeit / Hallo Nachkriegszeit / Hallo Nachkriegszeit,
dies ist der Tag / dies ist der Tag,
an dem du zur Kriegszeit wirst.



Dieser Artikel müsste eigentlich mindestens fünfmal so lang sein, allerdings habe ich keine Lust mehr zu schreiben. In diesem Zusammenhang würde ich auch gerne mein Essay für die Politik-Vorlesung im letzten Semester online stellen, leider ist das jedoch auf meinem alten Laptop und der ist, naja, "verschwunden". Ich schreibe mal dem Dozenten eine Mail, vielleicht kann er mir das Essay nochmal zuschicken.

Dienstag, 5. September 2006

Einsichten [#7]

Personalführung passt nicht zu Mediensystemen, genau so wenig wie Organisation zu Mathematik.

[Aus der Reihe: Gesellschaftstheorie mit Stundenplänen]

Montag, 4. September 2006

Verein-zur-Rettung-der-deutschen-Sprache-e.V.-Blog

Schon vor einiger Zeit bin ich bei Spreeblick über einen Kommentar von MC Winkel - dessen Musikgeschmack sich, wie man z.B. hier nachlesen kann, durchaus hören lassen kann - gestolpert, aber irgendwie darüber hinweggekommen, einen Eintrag dazu zu verfassen. Eine unerträglich rechtsradikale Dokumentation über "den denglischen Patienten", die gestern abend auf Phoenix lief, brachte mich dann wieder zum Nachdenken über diesen Kommentar und deutsche Musik im Allgemeinen. Nach ungenauer Zählung meiner Musikbibliothek finden sich unter den 327 Alben 17 Alben deutscher Interpreten. Dabei sind schon solche Späße wie Aggro Berlin - Ansage Nr.2 & 3 oder Jay Boboliani mitgezählt, die Zahl ernstzunehmender deutscher Alben, die ich wirklich höre liegt also noch mal niedriger.
Nun stellen sich natürlich 2 Fragen:
1. Ist "Searching for the Jan Soul Rebels" das beste deutschsprachige Album aller Zeiten und
2. Warum habe ich über 300 englischsprachige und nicht mal 20 deutschsprachige Alben?

Die erste Frage würde ich eindeutig verneinen, alleine schon weil mir Mercedes-Dance besser gefällt als Searching for the Jan Soul Rebels. Trotzdem würde ich Mercedes-Dance nicht als bestes deutschsprachiges Album bezeichnen, da ich selbst in meiner sehr beschränkten deutschen Musiksammlung ein besseres Album finde: Peterlicht - Lieder vom Kapitalismus. Möglicherweise ist das derzeit sogar mein Lieblingsalbum, zumindest läuft es mal den ganzen Tag rauf und runter. Aber ich kann aufgrund meiner begrenzten Kenntnisse der deutschen Musik natürlich nicht davonausgehen, dass es beste Album ist. Zumal ich überhaupt keine Alben von Udo Lindenberg habe, der aufgrund seiner Lebensführung als ein geeigneter Kandidat für den Titel "Coolster deutscher Musiker" prädestiniert scheint.
Die Diskussion wird in den Kommentaren weitergeführt, mit dem Ziel, das ultimativ beste deutsche Album festzustellen.

Auf die zweite Frage weiß ich noch keine Antwort. Ein Grund ist sicherlich, dass ich viel Rap/Hip-Hop höre, eine Musikrichtung, die in Deutschland kaum ernsthaft betrieben wird und es mir deshalb schwer macht, viel deutsche Musik zu hören. Möglicherweise wäre es leichter, wenn ich mehr Rockmusik hören würde, allerdings fällt es mir schwer zu glauben, dass ich Wir-sind-Julimond & Co. besser finden würde, wenn ich kein Hip-Hop-Fan wäre (immerhin höre ich ja auch von Zeit zu Zeit ganz gerne englische Rockmusik). Die Musik dieser Neuesten-Deutschen-Wellen-Bands ist einfach so unerträglich schlecht und textlich so uninspiriert und platt, dass es nicht auszuhalten ist. Ich höre schon die Stimmen aus den hinteren Bänken "Das ist doch bei englischer Musik genau so, da versteht man es nur nicht!", das ist jedoch kompletter Bullshit (Anglizismen, rock on!). Ich höre ja Arctic Monkeys oder Art Brut gerade WEIL ich die Texte verstehe und sie großartig sind. Ich frage mich, wo Texte auf diesem Niveau (TM by Peter Engelen) in Deutschland zu finden sind. Auf die Schnelle fällt mir da tatsächlich nur Rio Reiser ein, danach kommt schon Jan Delay und Peterlicht. Das kann aber nicht alles gewesen sein. Wer mehr weiß schreibt es bitte in die Kommentare.

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http://de.youtube.com/watc h?v=b-yJBsjatW0 ;)
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