Sonntag, 8. April 2007

Alles verändert sich wenn du es veränderst

Und zum neuen journalistischen Inhalt gleich noch eine seriösere Schrift.

Schreibwerkstatt [#2]

(Nein, das ist kein Klimawandel-Blog. Erklärung unten)

Anpassung statt Bekämpfung

Der Klimawandel ist Realität, und er ist zum großen Teil vom Menschen verursacht. Dies geht eindeutig aus dem vierten Berichts zum Zustand des Weltklimas, den das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) gestern in Paris vorstellte. In dem Bericht, der eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes darstellt, werden zahlreiche Fakten genannt, die dem Leser trotz globaler Erwärmung das Blut in den Adern gefrieren lassen. Die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre ist die höchste seit 650.000 Jahren, die globale Oberflächentemperatur hat sich in den letzten 100 Jahren um 0,74 Grad Celsius erhöht während der Meeresspiegel im gleichen Zeitraum um 17 cm anstieg. Noch düsterer als die Berichte über das bisherige Ausmaß des Klimawandels nehmen sich die Prognosen der internationalen Forschungsgemeinde aus. In verschiedenen Szenarien werden Temperaturanstiege von bis zu vier Grad Celsius im nächsten Jahrhundert vorhergesagt, einhergehend mit einer Erhöhung des Meeresspiegels um bis zu 59 cm. Der politisch brisanteste Punkt des Berichts ist sind jedoch weder die Beobachtungen noch die Prognosen, sondern vielmehr die ungewohnt deutliche Benennung so genannter anthropogener Treibhausgase – und damit letztendlich der menschlichen Nutzung fossiler Brennstoffe – als wesentlicher Faktor für den Klimawandel. Während also in Washington weiterhin gegen das Kyoto-Protokoll geschossen wird und sich Länder wie Russland durch großzügige Anrechnungsregeln für Waldflächen das ein oder andere schmutzige Kraftwerk erlauben dürfen, werden im IPCC-Bericht die fatalen Folgen dieser auf kurzfristige nationale Interessen gerichteten Politik aufgezeigt.
Doch die Wissenschaft ist schon einen Schritt weiter. Selbst wenn der Ausstoß sämtlicher Treibhausgase heute auf null gesenkt werden würde, wäre der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten, die Trägheit des Klimasystems würde für einen Temperaturanstieg von 0,6 Grad Celsius sorgen. Dieser Befund eröffnet eine neue, bisher in der politischen Debatte weitestgehend unbeachtete Dimension des Klimawandels. Die aufgeregte Diskussion, die derzeit – hauptsächlich in Europa – über die Erderwärmung stattfindet, dreht sich fast ausschließlich um die Verhinderung eines weiteren Temperaturanstiegs. Nimmt man jedoch den IPCC-Bericht ernst, so muss man neben der zweifellos notwendigen Reduktion der Emissionen auch über Prävention sprechen. Der Klimawandel ist heute schon Realität, und er wird sich auf absehbare Zeit höchstens abschwächen lassen. Oberstes Ziel der Politik muss es deshalb nun sein, seine Folgen für die Menschheit einzudämmen. Diese Folgen werden am schlimmsten in den ärmsten Regionen dieser Welt zu spüren sein, und wer sich die Bilder der „normalen“ Überschwemmungen der letzten Jahrzehnte in Ländern wie Bangladesh ins Gedächtnis ruft ahnt, vor welcher Aufgabe die Menschheit steht. Und hier beginnt die Verantwortung der westlichen Industriestaaten: Nicht durch den Kauf eines Toyota oder einer Energiesparlampe werden Menschen gerettet, sondern durch konkrete finanzielle Unterstützung von Hilfsprojekten in den Teilen der Welt, die von dem Klimawandel, den wir verursacht haben, am stärksten betroffen sind.

(3200 Zeichen)

Schreibwerkstatt

Damit das ganze hier nicht völlig einschläft, nur weil im Moment etwas mehr für die Uni zu tun ist, stelle ich einfach die Sachen rein, die ich für die Uni schreibe. Simpel, aber genial. Natürlich ist das meiste zu langweilig, aber glücklicherweise bin ich auch noch in der Schreibwerkstatt, bei der wir journalistische Texte schreiben müssen. Los geht's mit einem Kommentar zum Steinkohlekompromiss (1500 Zeichen):

Gefährlich

Am vorigen Dienstag konnten sich die Spitzen von CDU/CSU und SPD nach jahrelangem Streit auf ein Enddatum für den Steinkohlebergbau in Deutschland einigen. Endlich, möchte man sagen, ein später Sieg der Vernunft. Schaut man sich jedoch die Einzelheiten des Kompromisses und die Reaktionen darauf genauer an, wird deutlich, wie wenig sich die Vernunft in den Köpfen vieler Beteiligter durchgesetzt hat. Paradebeispiel dafür ist Wirtschaftsminister Glos, der den Ausstieg – völlig zurecht – mit Hinweis auf die in der Steinkohle gebundenen volkswirtschaftlichen Ressourcen begründet. Schizophren wird dieses Argument, wenn man bedenkt, dass Glos mit diesem Argument einen Kompromiss rechtfertigt, der bis zum Jahre 2018 bis zu 40 Mrd. Euro in einen Wirtschaftszweig pumpt, dessen Zeit seit Jahrzehnten abgelaufen ist. Gefährlicher als Glos, dessen Aussagen wohl eher einer gewissen Angst vor der Wahrheit denn echten Zweifeln am Ausstieg entspringen, sind jedoch die ewiggestrigen Populisten aus dem linken Teil des politischen Spektrums, die bereits jetzt ankündigen, den Kompromiss im Jahre 2012 wieder kippen zu wollen. Wenn Leute wie IG-BCE-Chef Schmoldt eine rechtsverbindliche Arbeitsplatzgarantie im Bergbau bis 2018 fordern, dann zeigt dies einmal mehr, dass die Gewerkschaften jederzeit bereit sind, einen notwendigen Strukturwandel zum Nachteil ihrer Mitglieder zu blockieren, selbst wenn sie dadurch Innovation und die mögliche Schaffung neuer Stellen verhindern.

Zugbeobachtungen #2

Gestern endlich mal wieder auf 'nem "Vierer" gemütlich gemacht. Kaum die Beine von sich gestreckt da klingelt hinter mir das mobile Telefon.
Sich umzudrehen und sich zu vergewissern wer da hinter mir sitzt wurde als zu dreist empfunden. Also muss die Person ohne Antlitz eingeordnet werden.
Weiblich, zwischen 15 und 17 bei nicht allzu hohem Bildungsgrad - daran zu erkennen, dass ihr beim Telefonieren die sonst übliche Verlegenheit, was durch leises Reden kund getan wird, vollkommen abgeht. Es werden nochmal ein paar db im Vergleich zur normalen Gesprächslautstärke draufgelegt damit ja keiner im Abteil auch nur eines ihrer Wörter falsch oder gar nicht verstehen könnte.
Typisches pupertäres Beziehungsgespräch. Immer wieder wird verischert, dass man doch in wenigen Minuten schon da sei und den anderern genau so sehr vermisse.
Die Pointe dann am Schluss. Nicht weniger als (noch gerade so) einhändig gezählte fünf Mal wird "Ich dich auch" erwidert bevor das Gespräch final beendet wird.

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